07. – 12.09.2026 Ich frag für eine Freundin

Eine peinliche Recherche übers Aufgeben // undBorisundSteffi

© Daniel Schmidt

hi, ja genau, ich sag jetzt mal ganz unpersönlich hi, auch wenn sich das komisch anfühlt weil, naja, ich diese Nachricht nicht nur Dir sende, sondern auch noch ein paar anderen Personen und wenn ich das jetzt eher so unpersönlich formuliere, dann kann es nicht passieren, dass ich ausversehen Dir eine Nachricht schicke, die ich nur gecopypated  hab und dann hab ich an einer Stelle den Namen ausgetauscht und an irgendeiner anderen Stelle hab ich das vergessen. Und dann tut es so persönlich und dann merkst Du aber,  dass es gar nicht so persönlich ist, obwohl es doch eigentlich wirklich sehr persönlich ist. Das wäre mir ganz peinlich. Und meiner Freundin, für die ich hier diese Nachrichten aufspreche, also diese Recherche beginne, der wäre das dann bestimmt auch sehr peinlich.…So gehts: Du bekommst in den nächsten Tagen Sprachnachrichten von mir mit Gedanken und Fragen meiner Freundin. Vielleicht antwortest Du auf manches ganz knapp und direkt. Vielleicht auf anderes etwas bedachter und ausführlicher. Vielleicht fallen dir Texte von Dritten dazu ein oder eigene oder eine Melodie oder so. Alles ganz Dir überlassen. Es muss nicht aufwendig sein. Aber lass Dir bitte mit der Antwort nicht mehr als maximal 12 Stunden Zeit – hat Sie gesagt….

Ich würde gerne aufgeben, aber ich kann nicht. Ich weiß nicht wie. Wie geht das, Aufgeben?Aufgeben ohne das Narrativ der stärkeren Rückkehr? Was bleibt denn dann? Hast Du schon mal aufgegeben? – ich frag für eine Freundin. Was hat eigentlich Aufgabe mit Hingabe zu tun? Und gibt es einen Unterschied zwischen Aufgeben und Aufhören? Kann ich weitermachen, obwohl ich aufgegeben habe? Soll ich weitermachen? Habe ich schon aufgegeben? Soll ich aufgeben? was denn jetzt? – also sie, ich frag das ja für sie, für die Freundin! Brauche ich Hilfe, um aufzugeben? Oder wenn ich aufgegeben hab? Warum hilft mir denn keiner? Wann soll ich denn aufgeben? Was kann ich aufgeben? Kann ich mich aufgeben? Aufgeben, was heißt das überhaupt? Wohin Auf? Auf in den Himmel zum Internet, oder was? Warum nicht einfach Abgeben? An wen? Geht das auch analog? Kann ich mich hier abgeben? Mir reichts, geben, nehmen, übernehmen! Bitte. Danke.  – Dank an meine Freundin. Wie merke ich, dass ich aufgegeben habe? Fühle ich mich danach erleichtert? Wieso fühle ich mich eigentlich so schwer? – Kennst Du das? Ich trau mich nicht. Ich trau mir nicht. Bin ich selbstverliebt? Was hat das denn damit zu tun? Wenn ich nicht Aufgebe, wie soll ich das schaffen? Und andersherum, nicht aufgeben, geht das jetzt noch? Ich glaub ich stecke fest. Ist das der Tod?  – das Frag ich jetzt auch für ihre Mutter. FRAGE ICH DAS ALLES NUR UM NICHT AUFZUGEBEN? FRAGE ICH NUR, DAMIT DU MICH ZUM WEITERMACHEN ANHÄLTST? Könntest Du an meiner Stelle aufgeben? Kannst Du etwas für mich aufgeben? Oder kann ich vielleicht etwas für Dich aufgeben?  – meine Freundin also ich für sie sie für dich und so weiter. Ist Aufgeben nie eine Option? Ist Aufgabe Kampf?  Was ist nochmal das Gegenteil von Aufgeben? Ich wär gern leicht? Mir wär gern leicht. Warum?Kommt Aufgeben vor oder nach der Krise? Was ist die richtige Antwort? Kaffe oder Krise! – das frag ich auch für Dich. Wenn etwas zu Ende ist, dann kann etwas Neues anfangen, sagt auch das Internet – und was ist wenn ich mich dabei verliere? Verloren habe? Bist Du da? Wo willst Du hin? Und ich? Kannst Du mich mitnehmen? Mir sagen wohin? Ach und noch eine Frage, bist Du zuerst allein, um dann mit anderen zusammen? Und wieso spielt Mutterschaft hier überhaupt keine Rolle? – das frag ich jetzt für mich!


undBorisundSteffi beschäftigen sich in ihren Arbeiten mit der Gegenüberstellung des Banalen und des Existenziellen. Es geht um das Spiel mit Erwartungen, um das Widersprüchliche, um Ambiguität und Ambivalenz, paradox, inkonsistent, den Kontrast, die Diskrepanz. Es geht um Kitsch – trivial, banal, sentimental. Und um Trash – siehe wikipedia. Zentral hierbei sind die eigenen Texte, die eine sich widersprechende und zugleich ergänzende Verbindung von Form und Inhalt zwischen Kurzgeschichten, persönlichen Blogeinträgen, Songs, lyrischen Assoziationen und improvisierter Begrüßungsrede einnehmen. Dabei strebt das Kollektiv eine Format- und Genrevielfalt an und schafft Arbeiten, die sich nicht nur auf das konkrete Geschehen im Bühnenraum beschränken, sondern zugleich Ausdrucksformen abseits der Bühne ausloten und suchen. Tiefe ist DER Anspruch. undBorisundSteffi streben nach Breite. Nach einer scheinbar diffusen Form. Der Inhalt das Leben. Vielmehr noch der Tod.

insta: @undborisundsteffi// homepage: undborisundsteffi.com

Eine Projekt von undBorisundSteffi. In Kooperation mit der Theaterwerkstatt Pilkentafel Flensburg und dem Schaubüdchen in Bochum. Gefördert von der Stadt Bochum und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.